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alternative therapien

Recovery

Recovery kann ohne professionelle Intervention erfolgen; Recovery erfordert Menschen, die an die unterstützte Person glauben und dieser Person beistehen; eine Vision von Recovery ist keine Theorie über die Ursachen psychiatrischer Beschwerden; Recovery kann gelingen, auch wenn Symptome wieder auftreten; Recovery ändert Frequenz und Dauer von Symptomen; Recovery nach den Folgen psychiatrischer Zustände gestaltet sich oft weit schwieriger als nach den Symptomen; Recovery ist nicht linear; Recovery findet als Reihe kleiner Schritte statt; Recovery bedeutet nicht, dass die Person nie wirklich psychisch behindert war; Recovery ist auf Gesundheit fokussiert und nicht auf Krankheit; Recovery sollte auf die Interessen der Betroffenen ausgerichtet sein.

Für viele hat Recovery eine politische sowie persönliche Implikation - dort wo man ist, einen Lebenssinn zu finden, Stigmatisierungen zu überwinden (einschliesslich der in manchen Fällen diagnostisch aufgeprägten Labels), ein selbstbestimmtes Leben zu führen und seinen Platz in der Gesellschaft zurückzufordern und das Selbst zu beweisen. Recovery kann so als eine Manifestation von Empowerment (Ermunterung) gesehen werden. Ein Empowerment-Modell von Recovery kann betonen, dass Zustände nicht notwendigerweise dauerhaft sind, dass andere Menschen Recovery erfahren haben und dass man Modelle vergleichen und Erfahrungen teilen kann. Symptome können als Ausdrücke von Stress in Verbindung mit Gefühlen und anderen Menschen verstanden werden.

Das Erlangen der Hoffnung und die Erhaltung der Hoffnung werden als Schlüssel zu Recovery beschrieben. Es ist das Ziel, nicht nur Optimismus zu erzeugen, sondern einen dauerhaften Glauben an sich selbst und die Bereitschaft, Ungewissheit und Hindernisse auszuhalten. Hoffnung kann an einem bestimmten Drehpunkt beginnen, oder als kleines zerbrechliches Gefühl stufenweise auftauchen und sie kann mit Verzweiflung abwechseln. Darüber hinaus soll das Vertrauen in sich und andere sowie die Fähigkeit gestärkt werden, Enttäuschungen, Fehler und Kränkungen zu ertragen.

Ein allgemeiner Aspekt von Recovery ist die Gegenwart anderer Personen, die daran glauben, dass die hilfsbedürftige Person das Potential hat, Recovery zu erreichen und hierfür bereitstehen. Während professionelle Dienste eine auf den Einzelfall begrenzte Art von Beziehung anbieten können und ein Pflegeversprechen abgeben, sind Verhältnisse zu Freunden, zur Familie und zur Gemeinschaft breiter angelegt und von langfristiger Dauer. Andere, die in ihrem Recovery-Prozess auf ähnliche Schwierigkeiten gestossen sind, können von besonderer Bedeutung sein. Jene, welche dieselben Werte und Anschauungen teilen (nicht unbedingt im Bereich geistiger Gesundheit), können ebenfalls besonders wichtig sein. Es wird angenommen, dass einseitige Beziehungen, die auf der Abhängigkeit des Betroffenen basieren, abwertend wirken können und dass wechselseitige Beziehungen und Unterstützungsnetze auf Gegenseitigkeit für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und für Recovery mehr Wert besitzen.

Ermutigungen zur Selbstbestimmung sowie die Möglichkeit der Kontrolle sind für Recovery ebenfalls wichtig. Hierdurch kann das Vertrauen in die eigene Entschlusskraft und die Annahme von Hilfsangeboten entwickelt werden. Die Integration in soziale Zusammenhänge kann Unterstützung erfordern und sie erfordert die Bekämpfung von Stigmatisierungen und Vorurteilen bezüglich psychischem Stress, psychischen Störungen und Abweichungen. Es kann darüber hinaus die Zurückgewinnung nicht praktizierter sozialer Fähigkeiten oder beruflicher Fähigkeiten erforderlich werden.

Die Entwicklung persönlicher Bewältigungsstrategien ist ein weiteres wichtiges Element. Das Vermögen weiterzumachen kann bedeuten, Verlustgefühle zu bewältigen, welche Hoffnungslosigkeit und Ärger einschliessen können. Bei einem gesunden Individuum kann dieses als Prozess von Kummer oder Trauer bezeichnet werden. Er erfordert, vergangenes Leiden und verpasste Gelegenheiten oder verlorene Zeit zu akzeptieren.

Quelle: Wikipedia, 14.04.2013

 

Salutogenese

Sie bezeichnet zum einen eine Fragestellung und Sichtweise für die Medizin und zum anderen ein Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923 - 1994) prägte den Ausdruck in den 1970er Jahren als ergänzenden Begriff zu Entstehung und Entwicklung von Krankheiten. Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen.

Während Psychiater Symptome beheben wollen, ohne sich um deren Ursachen zu kümmern, ermuntert die Salutogenese dazu, in erster Linie die eigenen Begabungen zu stärken.

Schulpsychiatrie

Salutogenese

Sucht nach Symptomen sowie nach angeblichen Mängeln und will diese nicht etwa beheben, sondern "unsichtbar", "unbemerkbar" machen.

Bemühung trotz Einschränkungen ein zufriedenes Leben führen zu können.

Predigt, was alles vermieden werden sollte.

Regt z.B. zu gesundem Essen, Bewegung an der frischen Luft, strukturierten Tagesabläufen usw. an.

Herumhacken auf angeblichen Defiziten.

Stärkung von Talenten, Ermutigung diese zu fördern.

Einzelheiten werden aus dem Zusammenhang gerissen und zerpflückt.

Ganzheitliche Betrachtung von Mensch und Umwelt.

Befasst sich mit dem Ist-Zustand, lässt die menschlichen Selbstentwicklungsmöglichkeiten ausser Acht.

Denkt über die Möglichkeiten, welche die Zukunft bieten könnte, nach.

Es gibt nur entweder oder.

Es gibt viele Möglichkeiten: sowohl als auch.

 

Soteria

Sie ist eine alternative stationäre Behandlung von Menschen in psychotischen Krisen, d.h. keine Zwangsmassnahmen, keine antipsychotische Medikation, wohnliche Einrichtung und offene Stationsführung.

Entwickelt wurde dieses alternative Behandlungsmodell im Zuge der Antipsychiatrie-Bewegung seit den 1960er Jahren. Die erste Einrichtung dieser Art wurde 1971 in Kalifornien (USA) vom Psychiater Loren Mosher (* 1933, gest. 2004) gegründet, musste jedoch nach zwölf Jahren wegen Einstellung staatlicher Hilfen geschlossen werden. In Bern führte 1984 der Schizophrenieforscher Luc Ciompi die Soteria ein. Leider wurde das Konzept erstens inzwischen verwässert und zweitens wird nur ein einziger Akutplatz angeboten.

 

Windhorse

Podvoll ist ein amerikanischer Psychiater, der von drei sehr genauen Selbstbeschreibungen ausgehend eine Psychosetheorie entwickelte (dem Adligen John Thomas Perceval aus dem 19. Jh., verrückt, Zwangsjacke, Aufdeckung in 2 Büchern, antipsychiatrisch aktiv; John Custance, geb. 1900, Banker, Geheimdienst, »manisch-depressiv«, Anstalten, Schocks, Bücher, Kämpfer für Patientenschutz; Donald Crowhurst, 1932-69, Ingenieur, der als Ein-Mann-Segler die Welt umrunden wollte, dabei grössenwahnsinnig wurde und starb, minutiös Logbuch schrieb). Psychose ist für ihn »die natürliche Folge der besonderen Lebensumstände eines Menschen«, die bestimmte Stadien durchläuft (»Teufelskreis des Verrückt-Werdens«, »Spirale des Grössenwahns«) und einer »natürlichen Heilung« zugänglich ist: »Letzten Endes hängt die Heilung eines Psychotikers davon ab, welche Bereitschaft und Fähigkeit er besitzt, sich auf die detaillierte Erkundung seines eigenen Geisteszustandes einzulassen, und zwar aus eigenem Antrieb und ganz auf sich allein gestellt.«

Es geht Podvoll aber nicht um die aus esoterischen Kreisen bekannte Trennung der »spirituellen Krisen« von den psychiatrischen, sondern er ruft auf zur Selbsthilfe. Ob man seinen Theorien und Ratschlägen nun folgt oder nicht, Grundlage und Herzstück des Buches sind die Selbstbeobachtungen (s.o.) und die praktischen Konsequenzen im zweiten Teil: das Windhorse-Projekt (intensiv betreute WGs mit einer/m vorher Psychiatrisierten. Die WGs beruhten auf Respekt, Alltagshilfen, Psychopharmakareduzierung) und in der Folge das »Haus der Freundschaft« (fünf LangzeitinsassInnen, zwei HausgenossInnen, dreissig zum Grossteil ehrenamtliche HelferInnen).

Schlüsselwort für beide Projekte ist die »Basisbetreuung«: Für drei Stunden täglich steht den einzelnen »Betreuten« jemand zur Verfügung, um genau das zu tun, was diese gerade brauchen. Das kann alles sein, ein Spaziergang, zusammen aufräumen, ins Kino gehen, reden, schweigen. Es klingt so einfach, erfordert aber, wie Podvoll ausführlich beschreibt: »Präsent sein«, »den andern einlassen«, »gewähren lassen«, »mitnehmen«, »wahrnehmen«, die »Entdeckung der Freundschaft«. Die Beschreibungen der sechs Jahre Windhorse und des einen Jahres »Haus der Freundschaft« haben mir besonders gefallen und mich auch grosszügig gemacht gegenüber dem üblichen Vokabular, das Podvoll sorglos benutzt. Er spricht von Geisteskranken, die der Pflege bedürfen, er lobt Eugen Bleuler und zitiert stolz dessen Sohn Manfred. Aber er schreibt auch: »Jeder kann endgültig den Verstand verlieren, wenn er nicht sehr gut für ihn sorgt. "Ein nutzbares Buch, respektvoll, bodenständig und buddhistisch angehaucht."

Buchtitel: Edward M. Podvoll: aus entrückten Welten - Psychosen verstehen und behandeln, Titel der ersten Auflage: Verlockung des Wahnsinns.

 

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Letztmals aktualisiert: 18.04.2013